fbpx

Lebe bloß nicht deinen Traum (2)

Es zeigt sich immer wieder, dass wir – sobald wir es schaffen, uns einen Traum zu erfüllen – schon kurz darauf wieder einen neuen Traum haben.

Eine Bekannte von mir hat früher aushilfsweise in einer Bäckerei gearbeitet, und sie hat immer gesagt: „Mein großer Traum wäre es, Texterin in einer Werbeagentur zu werden.“ Meine Frage war dann immer: „Ja, und warum machst du das nicht?“ Worauf sie dann abgewehrt hat: „Ach, um Gottes Willen! Also hör auf! Ich hab das nicht gelernt, und ich weiß nicht, ob ich das kann. Ich schreib zwar gerne Texte, aber ob die gut genug sind … und …“ Sie war also voller Zweifel.

Ich hab sie dann nur gefragt: „Ist das denn wirklich dein Traum und möchtest du diesen Traum zu deinem Ziel machen?“ Und da hat sie gesagt: „Ja, wenn ich Texterin in einer Werbeagentur bin, dann bin ich glücklich und zufrieden, und dann habe ich die Erfüllung in meinem Leben gefunden.“

Daraufhin haben wir zusammen in einem Coaching auf dieses Ziel hingearbeitet – wie sie das realisieren kann, was sie dafür alles benötigt, und, und, und. Und es hat tatsächlich funktioniert. Sie hat schließlich ein paar Bewerbungen geschrieben und ist tatsächlich von einer Werbeagentur als Texterin angenommen worden.

Als ich sie zwei Jahre später mal gefragt habe: „Sag mal, ist das denn alles so eingetreten, wie du das dir vorgestellt hast? Du bist jetzt Texterin in einer Werbeagentur, du hast dir deinen Traum erfüllt.“ Da sagte sie: „Na ja, also es macht schon Spaß, aber es wäre auch mal toll, im Ausland zu arbeiten.“

Da habe ich etwas geschmunzelt: „War das nicht eigentlich dein Ziel, dann glücklich und zufrieden zu leben, sobald du Texterin in einer Werbeagentur bist?“ Und ihre Antwort war: „Ja, aber jetzt ist es schon wieder so normal.“

Und das ist genau der Punkt: Wenn ihr einen Traum habt, den ihr vielleicht gerne abends mal im Bett träumt, dann überlegt euch ganz, ganz genau, ob ihr den auch wirklich realisieren sollt. Wenn ja, super! Ich bin der Letzte, der sagt: „Mach das nicht!“ Aber seid euch gewiss: Es ist wahrscheinlich nicht die Endstation eurer Träume, sondern einfach eine Realisierung eines Wunsches oder eines Zieles, und ihr werdet mit Sicherheit einen neuen Traum entwickeln. Und aus eben diesem Grund habe ich diesen etwas provokanten Titel gewählt: Lebe bloß nicht deinen Traum. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass es absolut wichtig ist, dass wir Menschen uns auch Träume behalten und nicht alle realisieren.

Ich kenne viele Menschen, die – wenn sie mal ganz offen und ehrlich sind und nicht diese Maske tragen, die man ja im übertragenen Sinne oft trägt, wenn man mit anderen Menschen spricht – die mir davon erzählen, wie Träume sie durch schwere Zeiten begleitet und ihnen auch geholfen haben. Und vielleicht kennst du das auch, wenn du eine schwierige Zeit hast oder einen richtig doofen Tag hinter dir hast, wenn du dann abends im Bett liegst und bewusst anfängst, dir ein gewisses Szenario zu erträumen – ob das jetzt die einsame Insel ist, der nächste Berg, den du besteigst, oder irgendetwas anderes. Solche Träume können helfen, die negativen Emotionen für den Moment mal ein bisschen beiseite zu schieben und dann auch wirklich gut schlafen zu können.

Natürlich brauchen wir immer auch eine Portion Realismus. Nur noch träumend durch die Welt zu laufen – das ist nicht das, wovon hier die Rede ist. Aber wenn ihr einen Traum habt, bei dem ihr merkt: „Wow! Der fesselt mich, der fasziniert mich!“, und wenn ihr bereit seid, diesen Traum zu einem Ziel zu machen, dann tut das bitte auch ruhig – aber seid euch dessen bewusst: Es wird ein neuer Traum kommen. Und seid dann bitte nicht enttäuscht nach dem Motto: „Na toll, jetzt habe ich mir meinen Traum verwirklicht, jetzt träume ich schon wieder von was anderem.“ Das ist völlig normal.

Wie realisiert man denn nun seine Träume?

Nach einem meiner Trainings oder auch nach meinen Vorträgen werde ich von Teilnehmern bzw. Zuhörern oft gefragt: „Sagen Sie mal: Wie wird man denn so richtig erfolgreich, wenn man sich ein Ziel gesetzt hat?“ Diese Frage ist nicht unbedingt so leicht zu beantworten, weil es dazu natürlich verschiedene Wege gibt, aber es gibt für mich drei Komponenten, die dabei eine wesentliche Rolle spielen.

Wenn ich mir ein Ziel gesetzt habe, muss ich mir zum einen Wissen darüber aneignen, wie ich dieses Ziel erreichen kann. Also wenn ich beispielsweise sage: „Ich möchte einen Tauchschein machen“, dann werde ich mich wohl erkundigen: Wo kann ich das machen? Was muss ich dafür tun? Wie viel kostet das? Wer bietet das an? Und so weiter. Ich muss also entsprechend Informationen sammeln und Wissen aufbauen.

Die nächste Phase, wenn ich diesen Tauchschein mache, ist natürlich das Üben. Das ist der große Unterschied zwischen Wissen und Können. Viele Leute wissen, wie man Auto fährt, können es aber deshalb noch lange nicht. Das war jetzt böse, oder? Ich meine natürlich nicht dich damit!

In jedem Fall brauche ich Wissen und Können. Aber der alles entscheidende Faktor an dieser Geschichte ist, dass ich den Willen haben muss. Vielleicht erlebst du es auch um dich herum immer wieder, dass Menschen zwar etwas anfangen, aber dann nicht durchhalten. Und da trennt sich die Spreu vom Weizen: Das Durchhalten, der Wille, das zu machen, was man da gerade angefangen hat – wenn der stark genug ist, dann wirst du dein Ziel auch erreichen. Denn wenn ich etwas wirklich erreichen will, bin ich ja automatisch bereit, mir Wissen anzueignen und am Können zu arbeiten.

In meinem beruflichen Umfeld – das sind jetzt 19 Jahre, die ich als Trainer unterwegs bin – wundere ich mich manchmal, mit welcher Einstellung viele Menschen bei mir im Training sitzen. Nach dem Motto: „Na ja, der Chef hat mich hergeschickt, dann mache ich das halt.“ Da ist kein wirkliches Wollen da. Und andere wiederum, die wollen wirklich vorwärtskommen, die wollen etwas erreichen, die haben dieses Feuer in sich, was da lodert, und die finden dann immer auch Wege, an Wissen zu kommen und arbeiten auch permanent an ihrem Können.

Und genau das ist der Schlüsselfaktor, wie du erfolgreich dein Ziel erreichst, wenn du einen Traum zu einem Ziel gemacht hast. Natürlich werden bei den meisten Zielen Hindernisse auf dich zukommen. Das ist gar keine Frage. Aber Hindernisse kann man auch überwinden oder sie umgehen. Du musst dir immer nur die Frage stellen: „Okay, wie mache ich jetzt weiter?“, wenn irgendwo ein Hindernis auftaucht.

Also: Wissen, Können und dann aber auch Wollen.

Das Spannende ist: An der Stelle kriege ich manchmal so nette Zwischenrufe, und einer davon war mal: „Ach, Herr Sänger! Wenn alles nach dem ginge, was ich will, dann hätte ich eine Surfschule auf Hawaii.“ Mal abgesehen davon, dass das wahrscheinlich eine Idee ist, die noch keiner hatte, habe ich dann den Teilnehmer gefragt: „Ja, und was hält Sie davon ab?“ Und dann schaut der mich mit großen Augen an und sagt: „Ja, Sie sind gut! Ich muss mein Haus noch abzahlen, meine Tochter studiert, die unterstütze ich mit Geld jeden Monat, und meiner Frau gefällt’s nicht auf Hawaii.“ Da habe ich gesagt: „Ja, und wo liegt jetzt da die Schwierigkeit? Haus verkaufen, Tochter geht kellnern, Scheidung einreichen – hallo, Hawaii!“

Vielleicht klingt das jetzt ein bisschen arg einfach für dich. Aber letztlich ist es so. Denn die Prioritäten sind das Entscheidende, und damit sind wir wieder beim Wollen. Wenn du dir darüber klar bist, was du willst, wofür du wirklich brennst und wirklich sagst: „Jawoll, das will ich erreichen, da will ich hin, das will ich machen in meinem Leben, oder das will ich aus meinem Leben machen!“ Dann hast du auch wirklich die Möglichkeit, durchzuhalten, bis zu das erreicht hast. Und wenn die Priorität wirklich dermaßen hoch wäre, dann würde man tatsächlich sein Haus verkaufen, seiner Tochter erklären: „Liebe Tochter, du musst irgendwie dir einen Nebenjob suchen, um dein Studium zu finanzieren“ und, na ja, vielleicht gibt’s zur Scheidung noch Alternativen.

Wenn du dich also dranmachen willst, einen Traum zu realisieren, dann werde dir auch deiner Prioritäten bewusst, und mache dir außerdem Gedanken darüber, was du gegebenenfalls bereit bist zu investieren in diesen Traum, gegebenenfalls auch bereit bist zu verlieren. Und wenn du dir diese Gedanken gemacht hast, dann kannst du ganz problemlos deinen Traum auch wahr machen. Denke aber daran, dir einen Traum zu behalten. Denn wir Menschen brauchen Träume – die helfen uns, gut und manchmal auch leichter durchs Leben kommen.

Behalte deine Träume und folge deinem Herzen. In diesem Sinne: Mach’s gut, lebe schön und bis zum nächsten Mal. Tschau!