Immer diese Vorurteile

„Das ist aber mal ein freundlicher Rotweiler“, diesen Satz hörte ich vergangenen Samstag als ich mit meinem Hund im Wald spazieren ging. Die Dame, die diesen Satz sagte, hat aber auch selbst einen Hund und sogar einen großen, so daß man denken sollte, sie würde sich ein wenig damit auskennen. Ich fragte die Dame dann, ob sie schlechte Erfahrungen mit Rottweilern gemacht hat und sie verneinte. Dann fügte sie allerdings hinzu: “Aber man liest ja so viel“. Genau darin liegt auch das Problem mit den Vorurteilen, man liest etwas, hört etwas oder sieht etwas im Fernsehen und wenn man nicht aufpasst, nimmt man sich dieser Gedanken an und hält sie für real.

Welche Kraft solch eine Meinungsmache durch andere hat, sieht man aktuell in Deutschland an diversen Strömungen die sich allesamt gegen Flüchtlinge richten. Fragt man hier einmal nach, hat kaum einer der teilnehmenden Menschen eigene Erfahrungen gesammelt. Aber, man liest ja so viel.

Wenn ich mich mit Menschen über das Thema Vorurteile unterhalte, dann geben nur wenige gerne zu, dass sie solche haben. Das ist auch absolut nachvollziehbar denn, wenn wir zugeben, dass wir Vorurteile gegen etwas hegen, geben wir automatisch zu, dass wir uns beeinflussen lassen und an dieser Stelle nicht selber denken sondern das Denken, die Gedanken oder Erfahrungen anderer einfach übernommen haben.

Natürlich bestätigen sich auch manche Vorurteile. Ja, es gibt den aggressiven Rottweiler, es gibt auch den kriminellen Flüchtling oder den islamischen Terroristen aber es ist an uns zu überprüfen, ob wir hier nicht ein Opfer der selektiven Wahrnehmung werden, wenn wir nur noch solche Informationen lesen oder hören. Das ist dann, wie wenn man ein neues Auto hat und man sieht plötzlich das eigene Modell viel häufiger rumfahren.

 

Natürlich sind nicht alle Vorurteile falsch. Allerdings erwarte ich von einem selbständig denkenden Menschen, dass er die eigenen Vorurteile genau überprüft und hinterfragt. Ja, auch ich habe mich schon dabei ertappt, dass ich den einen oder anderen sonderbaren Gedanken hatte, weil zum Beispiel eine Person mit einem bestimmten Aussehen in das gleiche Flugzeug gestiegen ist in dem ich bereits saß. Geholfen hat hier, mit diesem Menschen zu reden. Sein Äußeres war tatsächlich durch seine Religion geprägt aber er, ich zitiere:“…könnte Kotzen was so ein paar verblendete Idioten im Namen seiner Religion für einen Scheiß machen.“.

 

Das hat mich gelehrt, sich nicht in seinem eigenen Vorurteil zu suhlen sondern lieber eigene Erfahrungen zu machen und vor allem selbst einmal direkt mit seinem „Vorurteil“ zu reden. Deshalb freue ich mich ganz persönlich über jeden Menschen, der, anstatt die Straßenseite zu wechseln, auf meinen Hund und mich zugeht und sein Vorurteil gegen diese Hunderasse anhand einer eigenen Erfahrung überprüft. Aber als kleiner Tipp, stürzt nicht gleich auf den Hund los, sondern fragt den Halter ob ihr ihn anfassen könnt. Ihr wisst, man liest ja so viel.